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Erstellt von Christian Deuschle | | Wettkampf

4x Podest, 2x Vereinsrekord und ein Meister mit langem Anlauf: Jannes Kuhn wird sensationell Baden-Württembergischer Meister im 10-Kampf der U18

Baden-Württembergische Mehrkampfmeisterschaften vom 01-02.08.2026 in Weingarten

Mit 6.136 Punkten und einer super Aufholjagd über die abschließenden 1500m stellt Jannes Kuhn einen neuen Vereinsrekord auf, nachdem er im Fünfkampf nach dem ersten Tag bereits Bronze gewinnt. Die Schützlinge von Coach Philipp Schneider gewinnen zudem 2x Silber in den Mannschaftswertungen (5K + 10K) hinter Ulm. Jannes, Ethan Schmidt und Leo Nock stellen dabei auch im 10-Kampf-Team einen neuen Vereinsrekord auf (16.184 Punkte). 

Dass Jannes ein Wörtchen um die Medaillen mitreden kann, wurde allseits erwartet, aber dass es sogar für Gold und den Meistertitel reichen würde, zeichnete sich erst im Laufe des zweiten Tages ab. Dabei hat er über die Jahre einen langen Anlauf genommen und schaffte es bis jetzt nicht aufs Treppchen: 8-14-5-12-10-1: Das sind die Platzierungen von Jannes der vergangenen Jahre seit 2021 bei Landesmeisterschaften im Mehrkampf. Das verdeutlicht den Leistungssprung, den er dieses Jahr gemacht hat. „Jannes hat sich inzwischen eine deutlich professionellere Einstellung erarbeitet und sich mit dieser reifen 10-Kampf-Leistung den Titel verdient.“ kommentiert Coach Schneider das erfolgreiche Abschneiden des Pliezhäusers, der seit der U10 bei ihm trainiert und keine 800m vom Schönbuchstadion entfernt wohnt.

Wie fast immer im 10-Kampf war der Erfolg harte Arbeit und von Höhen und Tiefen gezeichnet. Für Jannes war es „schon krass“ und der Coach sprach im Nachblick von einem „wilden Ritt“. Zum Start über die 100m (11,89s) schaffte Jannes es als Einziger der Medaillenkandidaten bei strammem Gegenwind in die Nähe seiner PB zu laufen, alle anderen blieben deutlich dahinter zurück. Nach soliden 6,06m im Weitsprung und 11,85m im Kugelstoßen fuhr er mit starken 1,80m im Hochsprung einen Disziplinsieg ein. Die erste PB war dann über die Stadionrunde fällig: Mit 52,79s steigerte er sich über die 400m um fast eine Sekunde und verbuchte die zweitbeste Zeit aller Starter. Damit standen im 5-Kampf 3.188 Punkte zu Buche – was zu Bronze reichte und ebenso eine neue Bestleistung ist. Im Team mit Ethan und Fabio (8.613 Punkte) holten die Jungs hier die Silbermedaille. Das zweite Team (Leo Nock, Leroy Schmidt und Sebastian Kabisch) wurde mit 7.299 Punkten vierter.

Für den zweiten Tag war der entscheidende Gegner für Jannes schnell ausgemacht: Der starke Werfer Silas Rammhofer von der Unterländer LG, der den 5-Kampf am ersten Tag gewonnen hatte und 72 Punkte vor Jannes lag. Über die Hürden schenkten sich die beiden nicht viel, wobei Silas aufgrund eines kleinen Strauchlers von Jannes leicht die Nase vorne hatte. Im Stabhoch war dann eigentlich eine Punkte-Plus für Jannes eingeplant, doch er tat sich schwer, meisterte die Einstiegshöhe erst im entscheidenden dritten Versuch (sonst wäre alles vorbei gewesen) und konnte „nur“ 3,50m (30cm unter PB) in die Wertung bringen. Die gleiche Höhe sprang Silas – also keine Veränderung. Mit übersprungenen 3,90m setzte sich aber dann plötzlich Noah Mack aus Ulm an die Spitze und machte auch dem Duell ein Triell um den Titel. Im Diskus dann umgedrehtes Bild: Silas patzte und warf unerwartet sogar etwas kürzer als Jannes, der sich mit 31,62m im OK-Bereich bewegte. Weit vor den beiden wieder: Noah Mack mit 41,28m. Im folgenden Speer dann klare Verhältnisse für Silas: Er warf 51,79m und distanzierte Jannes (Gut mit 43,24m) und Noah (40,46m) deutlich.

Jannes rangierte damit vor der finalen Disziplin, den 1.500m, auf Rang drei. Um Noah zu überholen, musste er sechs Sekunden auf ihn herauslaufen und um Silas zu überholen 31 Sekunden schneller sein als er. Alle Beteiligten kannten ihr eigenes Laufniveau und das der Gegner, deshalb war schnell klar, dass es auf jeden Fall eng werden würde. Und so kam es auch: Jannes hielt sich 1.000m lang in der Spitzengruppe auf, die genau sein Tempo lief, bevor er dann gemeinsam mit dem Ulmer Benni Schwinn den Turbo zündete. Die beiden pushten sich auf der letzten Runden gegenseitig und erst im Endspurt setzte sich Jannes knapp in 4:40,09 min durch. Alles rausgeholt – aber sollte das reichen? Die Stoppuhren liefen heiß und als Noah nach 4:53,16 min ins Ziel kam, war dieses Thema schnell klar. Aber was machte Silas? Auch er kämpfte hart und warf sich ins Ziel - in etwa in der Zeit, die Punktegleichheit mit Jannes bedeuten würde. Niemand konnte es genau sagen, deshalb musste die offizielle Auswertung abgewertet werden. Nach bangen Minuten kam das Ergebnis und der Jubel der grünen LVPler war groß - Silas Zeit: 5:12,11 min und damit Sieg für Jannes mit acht Punkten Vorsprung. Mit 6.136 Punkten verbesserte er den Vereinsrekord von Philip Bonnaire aus dem Jahr 2010 (6.127 Punkte) um neun Punkte und liegt in Deutschland jetzt auf Rang 27.

Ebenfalls in die Top 10 schaffte es Ethan mit Platz neun und soliden 5.366 Punkten. Auch er konnte mit einem guten 1.500er (4:59,48 min) noch nach vorne rücken. Erneut Silber holten die Jungs in der Mannschaftswertung des 10-Kampfs, wobei es hier zu einem Kuriosum kam: Leo Nock und Sebastian Kabisch hatten nach 10 Disziplinen exakt gleich viele Punkte (4.682), weil Leo einen bärenstarken 1.500er (4:48,35 min) und 400er (53,94s) zeigte, Basti aber unter anderem viele Punkte im Stab (3,40m) einsammelte. Wer von beiden kam jetzt als dritter Mann neben Jannes und Ethan in die erste Mannschaft? Das Auswertungsprogramm nannte Basti, aber laut Reglement müsste es eigentlich Leo sein, aufgrund des schnelleren 1.500ers. Am Ende standen die Jungs zu viert auf dem Silbertreppchen, und da es sowieso zu wenig Medaillen vor Ort gab und diese nachgeschickt werden, kommen ja vielleicht vier goldene mit der Post…

Mit der Mannschaftspunktzahl von 16.184 Punkten verbesserten die Jungs ebenfalls den Vereinsrekord von J. Hirneth, T. Adam und einem gewissen Vincent Schneider (Bruder von Trainer Philipp Schneider) aus dem Jahr 2009 (15.913 Punkte). Zwar verpassten sie die Norm für die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften (16.500 Punkte – dafür hätte es einen halbwegs fitten Emil Veit benötigt, der sich aktuell im Wiederaufbau nach überstandenem Knochenmarksödem befindet und nächstes Jahr wieder angreifen wird), liegen aber momentan in Deutschland auf einem respektablen fünften Rang.

Nicht vergessen werden sollen die vielen weiteren Leistungen und PBs der anderen Athleten, z.B. der Weitsprung von Basti (5,63m) und Leroy (5,54m), der Speerwurf von Fabio (37,00m) oder der Weitsprung (5,17m) und Stabhoch (3,10m) von Fynn. Besonders freute sich der Coach zudem über die 1.500m-Zeiten, denn hier steigerten sich einige Jungs deutlich.

Auch die zwei tapferen Mädels dürfen nicht vergessen werden: Eigentlich hatte der LVP auch hier ein Team mit drei Athletinnen, zumindest bis Anastasia Fuchs sich wenige Tage vor dem Wettkampf beim Schulausflug zwar nicht schwer, aber in der Sprungbude doch so verletzte, dass sie nicht starten konnte. Lena Griesinger und Lene Hahn versuchten dennoch, das Beste herauszuholen, was Lena mit einem soliden 7-Kampf (3.320 Punkte) und Highlights im Kugelstoßen und über die Hürden gelang. Lene stand ihr tapfer zur Seite, musste jedoch nach einem Umknicken beim Weitsprung leider die Segel streichen.

Alle Ergebnisse hier: https://ladv.de/ergebnisse/102621/BW-Mehrkampfmeisterschaften-Aktive--U18-(LV-W%C3%9C)-Ergebnisliste-Weingarten-2026.htm

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